Lean Startup, Design Thinking oder Design Sprint – oder alle gleichzeitig?

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In Zeiten der digitalen Transformation ist immer häufiger zu beobachten, dass Unternehmen einige ihrer Prozesse in Richtung Agilität und/ oder Lean anpassen. Dies hat durchaus seine Berechtigung, denn die globale Vernetzung und Innovationsgeschwindigkeit erhöhen einerseits die Unsicherheit, in der sich Unternehmen bewegen und andererseits den Druck, innovativ zu denken und handeln. Man muss stets wettbewerbsfähig bleiben.

Doch passt der klassische Stage-Gate Innovationsprozess in dieses agile Umfeld? Hierbei handelt es sich doch eher um eine Vorgehensweise, die recht kapitalintensiv ist und Unsicherheit kaum mit einrechnet. Die Antwort liegt auf der Hand und wird von vielen Startups vorgelebt: Es existieren zahlreiche Innovationsmethoden, welche sich vom klassischen Stage-Gate-Prozess differenzieren und viele Merkmale der Agile- und Lean-Bewegung aufweisen. Doch nicht nur in Startups finden diese Innovationsmethoden Anwendung, sie sind mittlerweile auch immer öfter in großen Unternehmen zu finden. So hat beispielsweise Daimler 2016 einen Design Thinking Würfel auf dem Campus in Stuttgart-Möhringen aufgestellt, um Aufbruchs- und Innovationsgeist bei den Mitarbeitern zu wecken.

Im folgenden Artikel werden drei Innovationsmethoden vorgestellt: Lean Startup, Design Thinking und (Google) Design Sprint. Allen Methoden ist gemein, dass sie schnell und iterativ verlaufen und Prototypen entstehen, welche an Kunden getestet werden. Dies verdeutlicht auch den Fokus auf Kunden und deren Bedürfnisse sowie die systemische Kreativität.

Lean Startup:

Lean Startup ist eine Methode für die Entwicklung von (neuen) Produkten und Dienstleistungen in einem Umfeld großer Unsicherheit. Bekannt wurde sie 2008 zunächst im Silicon Valley durch Eric Ries. Diese Innovationsmethode versucht, Entwicklungszyklen drastisch zu verkürzen, indem mehrere Aspekte kombiniert werden: Experimente, Business-Hypothesen, iterative Produktentwicklung, Prototyping und Lernen. Es geht vor allem darum, über validiertes Lernen schnell herauszufinden, ob ein Produkt in Form eines MVP (Minimum Viable Product) zum angedachten Kundensegment passt, oder, ob es basierend auf Kundenfeedback Anpassungen oder Veränderungen bedarf. Resultat soll das perfekte Produkt-Markt-Fit sein. Typischer Zyklus ist das sogenannte Bauen – Messen – Lernen, welches iterativ und über viele Experimente hinweg Anwendung findet.

Design Thinking:

Design Thinking ist ein Ansatz, der zum Lösen von Problemen und zur Entwicklung neuer Ideen führen soll. Es handelt sich um eine Projekt-, Innovations-, Portfolio- und/oder Entwicklungsmethode. Im Gegensatz zu Lean Startup ist Design Thinking sehr gut für die Ideenfindungsphase geeignet, sprich, wenn noch kein Geschäftsmodell oder keine Produktidee existiert. Zudem eignen sich hier Kreativmethoden in den ersten Phasen sehr gut. Der typische iterative Zyklus besteht aus sechs Phasen: Verstehen – Beobachten – Sichtweise definieren – Ideen finden – Prototypen entwickeln – Testen. Bekannt wurde die Methode 1991 durch David Kelley (IDEO) in Stanford und am Hasso Plattner Institut.

(Google) Design Sprint:

Ein Design Sprint ist ein fünftägiger Prozess mit dem Ziel, ein Produkt oder die Weiterentwicklung eines Produktes in kürzester Zeit, unter Zuhilfenahme von Team- und User-Input zu realisieren. Hierbei liegt der Fokus auf der Herausarbeitung eines visuellen Konzepts (in Form eines Prototypen) für die Benutzerführung. Diese Methode ist seit 2010 von Google Ventures bekannt. Charakteristisch ist, dass jeder der fünf Tage ein dediziertes Ziel hat und der gesamte Prozess zeitlich beschränkt ist: Tag 1 – Verstehen, Tag 2 – Lösungsansätze finden, Tag 3 – Entscheiden, Tag 4 – Prototypen, Tag 5 – Testen.

Wann wähle ich welche Methode?

Lean Startup, Design Thinking und Design Sprint weisen zwar Ähnlichkeiten auf, sind aber dennoch in manchen Aspekten unterschiedlich. Welche Entscheidungsfaktoren sind hier zu beachten?

  • Technologie:
    Handelt es sich um ein sehr technisches Produkt/ Prototyp/ Geschäftsmodell, so eignen sich unter anderem Lean Startup, aber auch der Design Sprint sehr gut. Bei Lean Startup werden konkrete Kennzahlen definiert, welche in den Experimenten gemessen werden, weshalb dieser Ansatz datenbasiert ist. Auch im Design Sprint können technische Aspekte eines Produktes entwickelt und prototypisiert werden, wobei es hier normalerweise um einen konkreten Teil des Produktes geht.
  • Idee/ Geschäftsmodell vorhanden:
    Für Lean Startup ist in der Regel bereits eine Idee, ein Produkt, oder sogar ein vorläufiges Geschäftsmodell vorhanden, was im Laufe der iterativen Zyklen validiert und verbessert wird. Beim Design Sprint handelt es sich um ein konkretes Produkt/ eine konkrete Herausforderung oder sogar einen Teilaspekt eines Produktes. Dementsprechend sind auch hier bereits die Idee und manchmal das Basisprodukt vorhanden. Design Thinking hingegen ist ein sehr offener Prozess, welcher anfangs den Fokus auf den Kunden und seine Probleme legt. Aufgrunddessen wird bei Design Thinking die Idee erst im Laufe der Zyklen ermittelt.
  • Konkretheit:
    Je konkreter die Herausforderung, desto eher eignet sich der Design Sprint. Geht es um einen konkreten Teilaspekt eines Produktes oder einer Idee, so lässt sich innerhalb der fünf Tage ein ebenso konkreter Prototyp erstellen und testen. Ist man sehr offen, bzw. hat noch keine spezielle Idee, welche Probleme oder Bedürfnisse die Kunden haben könnten, so würde man möglicherweise zunächst eine Design Thinking Session anstreben.
  • Zeit:
    Der Design Sprint ist wahrscheinlich die am stärksten zeitlich bemessene Methode, da es sich immer nur um fünf Tage handelt. Ist Zeit ein wichtiger Faktor, so kann sich auch Lean Startup eignen, da hier mit hilfe einiger weniger Iterationen ein MVP soweit entwickelt und an den Kunden angepasst werden kann, dass es markttauglich wird. Design Thinking kann länger dauern, da hier zunächst versucht wird, die Kunden und deren Bedürfnisse zu verstehen, sich damit zu identifizieren und basierend darauf eine Idee entwickelt wird. Erst danach folgen die Prototypen- und Testphasen.
  • Ideenfindung:
    Ist ein grundlegender Ideenfindungsprozess zu Anfang vonnöten, empfiehlt sich Design Thinking. Es ist denkbar, dass z.B. Lean Startup oder Business Model Canvas an einen Design Thinking Prozess anschließen.
  • Zeitpunkt der Tests/ Experimente:
    Lean Startup und Design Thinking sehen von Anfang an viele Kundeninterviews, sowie Experimente vor. Beim Design Sprint hingegen ist erst der letzte Tag ein wirklicher Testtag, da an den Vortagen lediglich “Experten” innerhalb des Unternehmens befragt werden.
  • Interview Lastigkeit:
    Lean Startup ist durch seinen Fokus auf Customer Development sehr interview lastig. Hier werden Hypothesen gebildet und überprüft, MVPs anhand von Interviews getestet, usw. Auch Design Thinking fokussiert sich mittels Interviews darauf, den Kunden kennen zu lernen und Probleme zu identifizieren. Im Design Sprint finden weniger und vor allem gezieltere Interviews gegen Ende des Prozesses statt.

Dementsprechend muss es nicht zwingend die beste Lösung sein, sich nur auf eine Methode zu konzentrieren. Idealerweise können unterschiedliche Methoden für verschiedene Zeitpunkte im Ideen- und Prototypenentwicklungsprozess angewendet werden. Neben den hier vorgestellten Methoden gibt es selbstverständlich zahlreiche weitere Innovationsmethoden, wie Business Model Canvas, Lean Canvas, Value Proposition Design, usw. Der Methodenkoffer ist also ebenso flexibel, wie die Anforderungen der Unternehmen es sind.

Lean Startup, Design Thinking oder Design Sprint – oder alle gleichzeitig?

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